Peter Haimerl.Architektur

Neue Ortsmitte Blaibach

Blaibach, eine Stadt nahe der tschechischen Grenze im Bayerischen Wald, hat eine neue Ortsmitte. Fünf Projekte waren dafür ausschlaggebend: ein Solitär aus Beton – das Konzerthaus (2), ein Bürgerhaus (1), ein Waidlerhaus (3), ein Stadl (4) und der alles verbindende Dorfplatz.

Die neue Ortsmitte

Wie in vielen anderen Dörfern drohte auch in Blaibach die Ortsmitte zu verfallen. Doch 2012 erwarb die Gemeinde das Bäckerhausanwesen mit Wohn- und Geschäftshaus und dem sogenannten Blauen Haus (1). Zusammen mit den angrenzenden Grundstücken konnte damit die Dorfmitte im Rahmen des Modellvorhabens Ort schafft Mitte revitalisiert werden.

Das Konzerthaus

Das Konzerthaus als Herzstück der städtebaulichen Maßnahme belebt den Ortskern von Blaibach neu. Es komplettiert mit der Anlage eines neuen Dorfplatzes das mit Mitteln der Städtebauförderung realisierte Bauvorhaben.

Das Konzerthaus ist ein Solitär aus Beton, der sich mit seiner Neigung über die Hangkante im Ortszentrum an der Topografie orientiert.
Seine Granitfassade knüpft an die Steinhauertradition Blaibachs an. Der monolithische, gekippte Baukörper öffnet sich für die Konzertbesucher:innen nach oben auf den neuen Dorfplatz. Von dort führt eine Treppe hinab in das unter der Erdoberfläche liegende Foyer.

Dieses erschließt die Funktionsräume – die Garderobe, die Sanitärräume sowie den Barbereich. Spannungsreich leitet das Foyer um den Zuschauerraum herum ins Innere des Konzertsaales.

Die durch die Steigung des Hanges bedingte Schräge des Baukörpers trägt die Zuschauertribüne. Der Innenraum des Konzertsaales ist aus Ortbeton gefertigt, dessen unregelmäßige Form nur durch eine äußert aufwändig konstruierte Schalung realisiert werden konnte.

Die dominanten, gekippten Facettierungen im Inneren des Konzertsaales sind allein akustischen Vorgaben geschuldet. Die dort integrierten bedämpfte Hohlräume ermöglichen eine optimale Steuerung der Bässe. Mittelhohe Frequenzen können durch die unbehandelte Oberfläche des Betons absorbiert werden.

Unter den Stufengängen der Tribüne sind ebenfalls Bassabsorber eingebaut, denn die Akustik entfaltet sich innerhalb der sechs Wände des Betonkörpers, welche das Parkett umschließen. Die Zuschauertribüne agiert als klangliche Resonanzfläche – die transparenten Stühle stören diese akustische Funktion nicht.

Die Besucher:innen scheinen über Lichtschlitzen auf den filigranen Drahtstühlen, die auf Stahleisenschwertern auf der Tribünenschräge montiert sind, zu schweben. Hinter den Schlitzen der gekippten Oberflächen von Wänden und Decke befindet sich zudem modernste LED-Bühnentechnik, die den Raum beleuchtet.

Bauherr: Gemeinde Blaibach
Architekt: PETER HAIMERL . ARCHITEKTUR
Mitarbeiter: Ulrich Pape, Felicia Michael, Tomohide Ichikawa, Jutta Görlich, Martin Kloos
Bauleitung: Karl Landgraf
Statik: aka Ingenieure, Thomas Beck
Betonschalung Innenraum: Firma Gföllner
HLS: Cirtec
Elektroplanung: Planungsteam-Schmid
Akustik: Müller BBM, Gunter Engel und Eckard Mommertz
Fertigstellung: 2014
Fotos: Edward Beierle

Das Bürgerhaus

Das Bürgerhaus war ein alter Bauernhof in der Dorfmitte, der abgebrannt ist. Der Wohnteil ist nach dem Brand um einen Meter erhöht, der hölzerne Stadlteil dagegen nicht mehr aufgebaut worden. Die Außenhülle des neuen Bürgerhauses zeichnet die alte Ummauerung in Form und Höhe nach. Sie besteht aus wärmedämmenden Glasschaumschotterbeton.
Zentral ist ein Sanitär- und Küchenblock, ebenfalls aus Beton eingefügt.

Das Bürgerhaus in Blaibach wurde 2013 eröffnet. Sein vorhandener Bestand ist nun mit nachhaltiger Architektur verbunden. Das Bürgerhaus besteht aus dem Altbau und einem Neubau.

Bauherr: Gemeinde Blaibach
Architekt: PETER HAIMERL . ARCHITEKTUR
Mitarbeiter: Tomohide Ichikawa, Jutta Görlich, Ulrich Pape, Zana Basle, Martin Kloos
Bauleitung: Architekturbüro Haslsteiner/ von Massow
Statik: aka ingenieure, Thomas Beck
HLS: BHP
Elektroplanung: Planungsteam-Schmid
Fertigstellung: 2014
Fotos: Edward Beierle

Das Waidlerhaus

Das kleine Waidlerhaus von 1847 ist typisch für die ländliche Baukultur des Bayerischen Waldes. Diese zeichnet sich durch die Verwendung der Materialien Granit, Holz, Lehm, Glas und Kalkputz aus. Die hohe handwerkliche Qualität ist genauso ein Merkmal dieser Kultur.

Der Bauherr und der Architekt strebten bei der Renovierung des Waidlerhauses den größtmöglichen Substanzerhalt an – bei gleichzeitiger räumlicher Innovation.

Außen ist das Gebäude mit traditionellen Mitteln der Entstehungszeit rekonstruiert worden. Im Wohntrakt ist der ursprüngliche Zustand nun wiederhergestellt und im Stall um einen Wohnraum in zeitgemäßer Architektursprache erweitert.

Die alten Räume

Die Außenwände der alten Stube sidn mit Fundamenten aus Glasschaumschotterbeton unterstützt. Dieser dient auch der Wärmedämmung und Feuchtigkeitsisolierung. Die Wände sind in traditioneller Technik mit Schilfrohrmatten gedämmt, mit Lehmputz versetzt und mit Kalk gestrichen.

Die neue Stube

Um dem stark einsturzgefährdeten Gebäude wieder neues Leben einzuhauchen, war eine räumliche und statische Innovation notwendig. Der neue Betonkern im ehemaligen Stall dient als Anker für die angrenzenden Bauteile im Wohntrakt des Waidlerhauses, der aus teilweise verputzten gezimmerten Außenwänden besteht.

Vor dem Waidlerhaus befindet sich die wiederhergestellte Gred aus großen Granitfindlingen. Nun dient sie als Aufenthaltsbereich im Freien. Von dort blickt man auf die Granitfassade des Konzerthauses und auf das Bürgerhaus.

Bauherr: Thomas E. Bauer
Architektur: PETER HAIMERL . ARCHITEKTUR
Mitarbeiter: Ulrich Pape, Tomohide Ichikawa, Jutta Görlich
Bauleitung: Karl Landgraf
Statik: Büro Bergmann
Fertigstellung: 2014
Fotos: Edward Beierle